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Ohne Kernkraft keine Versorgungssicherheit

16.10.2026

Auf einen Blick

  • Trockene Flüsse, leere Stauseen, ein kaum schiffbarer Rhein: 2026 zeigt, wie verletzlich unsere Energieversorgung ist.
  • Die Kernkraft bleibt ein stabiler Eckpfeiler der Stromproduktion.

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Der Rhein führt so wenig Wasser wie noch nie seit Messbeginn. Am Pegel Kaub, dem Nadelöhr der Rheinschifffahrt, wird der bisherige Tiefstwert von 2018 seit Mitte September fast durchgehend unterschritten. Zwischen Ende September und Anfang Oktober fiel der Wasserstand dort wiederholt unter null. Die Wirtschaftliche Landesversorgung bezeichnete den Rhein Ende September für Mineralölimporte als «faktisch nicht nutzbar». Schon im August erreichte fast 80 Prozent weniger Mineralöl die Basler Häfen als ein Jahr zuvor. Die Bahn kann den Ausfall kaum auffangen – denn gleichzeitig finden an der Rheintalbahn Unterhaltsarbeiten statt. Die Versorgung bleibt gewährleistet, doch die angespannte Lage kommt zur Unzeit – zum Beginn der Heizperiode.

Auch beim Strom fehlt das Wasser

Das fehlende Wasser wirkt sich auch auf unsere Stromproduktion aus. Dutzende Flusskraftwerke in der Schweiz stehen derzeit still oder laufen gedrosselt. Das Axpo-Kraftwerk Rheinau erreichte im September nur 43 Prozent seines Zehnjahresdurchschnitts. Die Aare-Kraftwerke der Alpiq produzieren rund 30 Prozent weniger als üblich, und das Kraftwerk Höngg an der Limmat hat ganz abgestellt. Normalerweise liefert die Laufwasserkraft im Herbst 10 bis 15 Prozent unseres Stroms, derzeit nur einen Bruchteil davon. Die Speicherseen waren im Sommer so leer wie seit 20 Jahren nicht mehr. Damit ist ein wichtiger Eckpfeiler der Schweizer Winterstromproduktion beeinträchtigt.

Die Wasserkraft bleibt das Rückgrat unserer Stromversorgung. Sie liefert gut die Hälfte des Schweizer Stroms. Doch dieses Jahr zeigt sich ihre Achillesferse: Sie hängt vom Wetter ab. Und an Flüssen und Stauseen hängt weit mehr als Strom, nämlich Trinkwasser, Bewässerung, Restwassermengen, Kühlung und Schifffahrt. Diese Nutzungskonflikte werden zunehmen. Glaziologen gehen davon aus, dass das Schmelzwasser der Gletscher als Puffer in Trockenperioden in einigen Jahrzehnten verschwunden sein wird.

Kernkraft ist gerade im Winter entscheidend

Genau hier spielt die Kernkraft ihre Stärke aus. Sie produziert unabhängig von Niederschlag, Abfluss und Sonnenstunden, und zwar vor allem dann, wenn wir den Strom am dringendsten brauchen: im Winter. Seit der Stilllegung von Mühleberg lieferte sie im Winterhalbjahr durchschnittlich rund 12.4 TWh. Die Solaranlagen kamen im vergangenen Winter auf 2.3 TWh. Kernbrennstoff ist zudem kompakt und lässt sich über Jahre hinaus auf Vorrat lagern. Ein Kernkraftwerk ist nicht darauf angewiesen, dass jede Woche Schiffe über den Rhein fahren, der zu wenig Wasser führt.

Und die Abschaltungen von Beznau im Hitzesommer? Sie bestätigen die Resilienz der Kernkraft sogar. Beznau wurde nicht vom Netz genommen, weil die Anlage die Hitze nicht bewältigt. Das ENSI hält seit Jahren fest, dass Hitzeperioden für die Schweizer Kernanlagen sicherheitstechnisch kein Problem sind. Der Grund ist eine Vorschrift zum Gewässerschutz, die nur für Beznau gilt: Die Aare darf nach dem Einleiten des Kühlwassers 25 Grad nicht überschreiten. Gösgen und Leibstadt mit ihren Kühltürmen waren nicht betroffen. Ausserdem liegen die Jahresrevisionen der Kernkraftwerke ohnehin im Sommer, wenn Strom reichlich vorhanden ist. In dieser Zeit sprang die Sonne ein und lieferte rund einen Viertel des Stroms.

Versorgungssicherheit gibt’s nur mit richtigem Portfolio

Versorgungssicherheit ist nie die Frage nach der einen richtigen Technologie. Sie ist die Frage nach dem richtigen Portfolio. Die Photovoltaik trägt zusammen mit der Wasserkraft das Sommerhalbjahr. Die Kernkraft liefert den verlässlichen Sockel, wenn die Tage kurz und die Flusspegel tief sind. Im Winter kann sie ihre Stärken dann voll ausspielen. Wer auf sie verzichten will, soll zuerst einmal zeigen, was im nächsten trockenen Sommer und kalten Winter die Lücke füllt. Auf Importe aus Nachbarländern, die selbst mit Niedrigwasser und angespannten Energiemärkten ringen, sollten wir uns nicht alleine verlassen, auch wenn der Energiehandel mit Europa wichtig ist. Deshalb müssen wir unsere bestehenden Kernkraftwerke so lange betreiben, wie sie sicher sind, und die Option für neue offenhalten. Es wäre nichts anderes als ein Vernunftsentscheid.

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