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Schlechte Steuerpolitik kostet Wohlstand
22.10.2026
Auf einen Blick
- Die Schweiz belegt weitgehend Spitzenplätze mit ihrem Steuersystem.
- Einzig bei vermögensbezogenen Steuern schneidet die Schweiz schlecht ab.
- Der internationale Vergleich zeigt: Schlecht konzipierte Steuern erhöhen Kosten, verzerren Entscheidungen und bremsen das Wachstum.
Die US-amerikanische Denkfabrik Tax Foundation veröffentlich jährlich den International Tax Competitiveness Index (2026 International Tax Index | Interactive Tool | Tax Foundation). Der Index stellt dar, wie gut die Steuerysteme der OECD-Staaten sind. Angeschaut und verglichen werden nicht nur Steuersätze, sondern auch wie die einzelnen Steuern ausgestaltet sind. Es wird angenommen, dass die Art und Weise eines Steuersystems die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst. Ein gutes System ist einfach zu befolgen, sichert Staatseinnahmen und fördert Investitionen. Schlecht konzipierte Steuern erhöhen Kosten, verzerren Entscheidungen und bremsen das Wachstum.
Schweiz in vielen Steuerbereichen weit vorne dabei
Wie schneidet die Schweiz ab? Die Schweiz befindet sich traditionell in der Spitzengruppe. Aktuell rangiert sie auf Platz 4, hinter Estland, Lettland und Neuseeland. Besonders gut bewertet wird das Mehrwertsteuersystem (tiefe Steuersätze, breite Bemessungsbasis) und der Fokus auf die sogenannte Territorialität, d.h. dass die Schweiz sich steuerlich auf ihr Staatsgebiet beschränkt und nicht auf Einkommen und Vermögen ihrer Steuerpflichtigen im Ausland schielt. Gut rangiert die Schweiz auch bei der Besteuerung der Firmen (Platz 7) und bei den Einkommensbesteuerung der privaten Haushalte (Platz 9). Interessant im ersten Fall: während die Schweiz beim Gewinnsteuersatz auf Platz 5 liegt, ist sie weniger gut bei den Abschreibungsregeln und der steuerlichen Geltendmachung von Verlusten, die einschränkender ist als anderswo, allerdings demnächst etwas ausgeweitet wird. Wie sich die in diesem Jahr zum ersten Mal erhobene OECD-Mindeststeuer auf die Bewertung auswirkt, wird zu sehen sein. Die Steuer trifft zwar alle OECD-Staaten, solche mit tieferen Steuersätzen wie Irland oder die Schweiz aber besonders. Interessant auch das Thema Steuerprivilegien: der Index erachtet diese in jeder Form als schädlich. Gerade unter der Mindeststeuer sind besondere Förderformen wie Steueranreize unter Bedingungen aber ausdrücklich erlaubt, weshalb diese Instrumente künftig wahrscheinlich verstärkt eingesetzt werden. Der transparente Wettbewerb über Steuersätze verschiebt sich mit dem Segen der OECD auf weniger transparente Felder – eine besondere Ironie ist dies bei der Mindeststeuer. Die USA setzen Steueranreize heute schon stark ein und liegen bei diesem Kriterium trotzdem auf dem guten Platz 6. Die Schweiz, in dieser Hinsicht noch weniger aktiv, rangiert auf Platz 14.
Vermögenssteuer als Sorgenkind
Schlecht (Platz 36) schneidet unser System bei den Vermögenssteuern ab. Der Index zählt dazu Vermögens- und Erbschaftssteuern, aber auch Stempelabgaben oder Handänderungssteuern. Die Schweiz verfügt auf allen Staatsebenen auf diesem Gebiet über ein Sammelsurium, das praktisch ausnahmslos als stark verzerrend und für den Wohlstand besonders schädlich eingestuft wird. Vorab linke Ökonomen sehen das zwar anders und plädieren für besonders hohe Vermögenssteuern. Dass das keine gute Idee ist, zeigt der Index klar.
Steuer- und Finanzpolitik hängen klar voneinander ab
Die Schlusslichter der Rangliste sind Frankreich, Italien, Spanien und weit unten rangieren auch UK und Japan. Es sind Staaten mit den schlechtesten, weil teuersten und deshalb für den Wohlstand schädlichen Steuersystemen. Zieht man die Staatsverschuldung zum Vergleich hinzu, findet man wenig erstaunlich viel Deckungsgleichheit: dem Schlusslicht Japan folgen Italien, Frankreich, Spanien und bald darauf UK. Dass Steuer- und Finanzpolitik voneinander abhängen, braucht kaum noch weiter bewiesen zu werden. Eine schlechte Steuerpolitik kostet Wohlstand und bringt den Staat um nötige Mittel. Ein finanziell klammer, verschuldeter Staat steht unter Druck, die Steuerschraube anzuziehen und das System weiter zu verschlechtern. An einem Punkt ist dem Teufelskreis nur noch schwer zu entkommen. Die Folgen sehen wir dieser Tage gerade dort, wo Professoren es anders lehren – zuvorderst in Frankreich.
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